...Kinder unterwegs in St. Arnual...

Interessengemeinschaft der Daarler Vereine, Parteien und Kirchengemeinden berät über kinder- und jugendpolitische Bedarfe in St. Arnual.

05.05.2009: Vor fast einem Jahr wurden die Vertreter der Daarler Vereine, Parteien und Kirchengemeinden von der PÄDSAK zu einem kinder- und jugendpolitischen Diskurs eingeladen. Nun wurde es Zeit für eine Zwischenbilanz. Auf Einladung von Dr. Armin Kuphal trafen sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft mit Vertretern der PÄDSAK, des Melanchton-Kindergartens und des Verbandes saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung, um anstehende Fragen zur Kinder- und Jugendpolitik in St. Arnual zu erörtern.

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Theo Koch,Geschäftsführer des Verbands saarländischer Jugendzentren in Selbstverwaltung, stellte zunächst die Schwierigkeiten und Problemstellungen zum JUZ in St. Arnual von Betreiberseite dar. Anwohner hatten sich mit einem Brief an die Oberbürgermeisterin der Stadt Saarbrücken, Charlotte Britz (SPD) gewandt und Missstände im Umfeld des JUZ beklagt. Lärmbelästigung, Alkohol- und Drogenmissbrauch sowie Vandalismus an Fahrzeugen und Baustellenmobiliar gewannen bei diesen Beschwerden die wohl größte Bedeutung.

In seiner Stellungnahme wies Koch darauf hin, dass nicht jeder Jugendliche gleich mit dem JUZ in Verbindung gebracht werden könne, wenn er mit Alkohol angetroffen werde. Der Ausschank von Alkohol und der Konsum anderer Drogen sei in den Räumen des JUZ grundsätzlich untersagt. Jugendliche, die diesem Verbot nicht nachkämen, würden der JUZ-Räume verwiesen und seien dann leider im Umfeld des JUZ zu finden. Zudem beklagte Koch, dass viele der im Brief an die Bürgermeisterin festgehaltenen Vorwürfe überzeichnete Falschmeldungen seien. Er zeigte sich zudem entäuscht darüber, dass die betreffenden Anwohner nicht zuerst ein klärendes Gespräch mit den derzeitigen verantwortlichen Betreibern gesucht hätten, durch das man viele Probleme schon vorab hätte klären können.

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Einigkeit bestand bei allen Anwesenden, dass das JUZ als feste Anlaufstelle für die Jugendlichen in St. Arnual erhalten werden müsse. Stefan Brand (CDU), Fraktionsvorsitzender der CDU im Bezirksrat-Mitte, sah in der Möglichkeit der Verlagerung des Haupteingangs zum JUZ, die mit dem Umzug der Räume der AWO in St. Arnual zur Scharnhorsthalle möglich werden wird, eine Versöhnliche Lösung. Die Spannungen, die aufgrund der unmittelbaren räumlichen Enge zwischen Anliegergrundstücken und JUZ-Eingang gegenwärtig bestehen, spielten dann keine Rolle. Deutliche Kritik übte Brand jedoch an der verantwortlichen Baugesellschaft, die das Baugebiet Artilleriekaserne errichtet hat: Sie habe die befürchteten Spannungen vorab ignoriert und damalige Interessenten der anliegenden Immobilien mit einer angeblich anstehenden Verlagerung des JUZ fehlinformiert.

Mitglieder des Heimatvereins wiesen nachdrücklich darauf hin, dass das JUZ für Jugendliche eine sinnvolle und gute Anlaufstelle sei, die Jugendlichen Orientierung und Zuflucht gleichermaßen sei. Vorallem sei nicht auszudenken, was ohne die wertvolle Präventionsarbeit der JUZ-Betreiber mit den Jugendlichen geschehen könne.

Theo Koch und Pfarrer Arno Wolf
Reinhard Schmid, Mitarbeiter der PÄDSAK e.V., stellte das Nachmittagsangebot der PÄDSAK und seine präventive Bedeutung für das gesellschaftliche Zusammenleben auf dem Wackenberg vor. Besonderes Interesse fanden die Ideen zu einem Kinder- und Familienzentrum, das aus einer Kooperation zwischen Jugendamt, den Kindergärten und ihren kirchlichen Trägern sowie der PÄDSAK erwachsen könnte. Eine solches Projekt könnte nach dem Muster bereits bestehender so genannter Early-Excellence-Centres beruhen (EEC).

Su wurde zum Beispiel das Modellprojekt "Pen Green Centre for under 5s and their Families" bereits 1983 in dem von der Stahlindustrie geprägten Ort Corby im englischen North Hampshire von Margy Whalley gegründet, die auch noch heute das Zentrum leitet. 1997 wurde dann von der britischen Regierung das "Early Excellence Centre Programme" ins Leben gerufen, das den Ausbau eines Netzwerkes von Zentren zur frühkindlichen Betreuung nach dem Vorbild des Pen Green Centre in Corby vorantrieb. 1999 nahmen die ersten 29 Zentren ihre Arbeit auf, im Jahr 2004 existierten bereits 107 EEC. Die gesamten staatlichen Fördermittel lagen hier zwischen 2002 und 2003 bei ca. 1,3 Milliarden Euro. Alle Zentren sind in Großbritannien heute in das "Sure Start Programme" der Regierung eingebettet, das die Koordination der Zentren übernimmt. Seit 2001 besteht durch die internationale "Early Childhood Care and Education Conference (ECEC)" ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch zwischen Ländern, die das Konzept der EEC als Modellprojekte übernommen und umgesetzt haben. Im selben Jahr startete man auch in Deutschland den Versuch einer Übertragung des EEC-Konzepts als Pilotprojekt im Pestalozzi-Fröbel-Haus in Berlin-Charlottenburg.

Das pädagogische Leitbild der EEC orientiert sich an den beiden folgenden Grundprinzipien: Zum einen wird das Kind mit seinen Stärken und Kompetenzen betrachtet. So sollen die individuellen Begabungen und Fähigkeiten entdeckt, verfolgt und gezielt gefördert werden. Zum anderen werden die Eltern durch eine integrative Familienarbeit aktiv in die Erziehung des Kindes eingebunden und profitieren ebenfalls vom Förderangebot (z.B. in Form von Erziehungsberatung). Umgesetzt werden diese Leitideen durch einen ganzheitlichen Ansatz, der arbeitsmarkt-, gesundheits- und familienpolitische Maßnahmen integriert. So werden in einem EEC neben dem Betreuungs- und Bildungsangebot für Kinder und ihre Eltern auch spezielle Angebote ausschließlich für Eltern vorgehalten (z.B. Bewerbungstraining, Weiterbildungsangebote).

Zuletzt stellten alle Anwesenden fest, wie gut und produktiv die gegenseitige gesellschaftswirksame Zusammenarbeit im letzten Jahr geworden sei. Die Annäherung habe sowohl in gemeinsamen Projekten und Benefizveranstaltungen aber auch durch den deutlich verbesserten Dialog gefruchtet und biete gute Perspektiven für die unterstützende und präventive Kinder- und Jugendarbeit. So könnte auch für die Zukunft im Zusammenwirken für Kinder und Jugendliche in St. Arnual gute Arbeit geleistet werden.

...Es spricht alles dafür, dass das auch so kommen wird. Es wurde nämlich nicht mit blumigen Worten die Bereitschaft zur Bereitschaft für eine Bereitschaft formuliert. Es hat sich bereits vieles getan im ehrenamtlichen Engagement für die Kinder und Jugendlichen im Ort und dieses Engament wird auch in absehbarer Zeit fortgesetzt werden können. - Schon jetzt danke an alle, die dabei mithelfen!

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