St Arnual in der Geschichte
Laut einer Zählung von 2005 wohnen in St. Arnual etwa 9.200 Bürgerinnen und Bürger.
Das Gebiet um das heutige Sankt Arnual war ursprünglich Siedlungsraum der Mediomatriker, einem keltischen Stamm, dessen Stammeszentrum im heutigen Metz zu finden war und auf den die Besiedlung von saarbrücken zurückgeführt werden kann.
Von Römischen Truppen wurde am Fuße des Halbergs neben dem Saarufer ein Garnisonsstützpunkt angelegt. Etwa auf der Höhe des St. Arnualer Marktes entstand eine gallo-romanische Siedlung, die möglicherweise durch eine hölzerne Brücke mit dem gegenüberliegenden Saarufer verbunden war.
An gleichem Ort entstand vermutlich zu Beginn des 7. Jahrhunderts das Dörfchen Merkingen aus einer angeblichen Schenkung des Merowingerkönig Theudebert II. an den Metzer Bischof Arnulf(* 13. August 582? in Lay-Saint-Christophe bei Nancy; † 18. Juli wohl 640 bei Remiremont), dem Stammvater der Karolinger und Namensgeber von St Arnual.
Nach einer Volksabstimmung wurde Sankt Arnual im Jahr 1897 in Saarbrücken eingegliedert. Bis 1955 lag zwischen Saar und Stiftskirche das Flughafengelände, das dann nach Ensheim verlagert wurde.
Stiftskirche
Das ehemalige Augustiner-Chorherrenstift wurde vermutlich um 600 von Bischof Arnulf von Metz gegründet. 1575 wurde das Stift in ein evangelisches Stift umgewandelt. Von den Ursprungsbauten des Stifts ist heute nichts mehr erhalten.
Der Chor sowie das Querhaus der Stiftskirche stammen aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, das Langhaus und der Turm aus dem 14. Jahrhundert. Sie wurde Grablege des Hauses Nassau-Saarbrücken. Die gotische Gewölbebasilika über kreuzförmigem Grundriss gehört zu den bedeutendsten Baudenkmälern des südwestdeutschen Raums und ist einer der wichtigsten Mittlerbauten französischer Gotik in Deutschland.
Turm und Langhaus der Kirche auf stehen auf gewachsenem Fels des Saartals, der Chorraum jedoch ist auf Schwemmland errichtet. Im Zuge der Kanalisation der Saar in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts, die eine Absenkung des Grundwasserspiegels zur Folge hatte, kam dieses Schwemmland in Bewegung wodurch Ende der 80er der Kirchenbau akut einsturzgefährdet war. Zum Erhalt der Kirche wurde in 15 Jahren Bauzeit der Chorraum mit 20 m tiefen Betonpfählen abgefangen. Im Zuge dieser Baumaßnahmen konnten umfangreiche archäologische Untersuchungen durchgeführt und die Kirche insgesamt renoviert werden.
Die Kirche besitzt eine vorzügliche Bauplastik und eine bedeutende Ausstattung. Dazu zählen sowohl die vielen Grabdenkmäler als auch die bei den letzten Ausgrabungen gefundene Marienstatue. Bei den Förderprojekten der Deutschen Stiftung Denkmalschutz handelt es sich um Wandepitaphien der Renaissance. Farbig gefasste, fast lebensgroße Nischenfiguren der Verstorbenen sind in architektonische Aufbauten gefasst. Die Architektur- und Dekorationselemente zeigen unterschiedliche Stilstufen.
Die bedeutendsten Kunstdenkmäler in der Kirche sind neben den Grabmälern der Grafen von Saarbrücken (darunter das von Elisabeth von Lothringen) die Fenster des ungarischen Künstlers György Lehoczky.
Das Stift St. Arnual
Das Stift St. Arnual wird im Jahre 1135 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Zwar ist eine Schenkungsurkunde Kaiser Heinrichs III. (* 28. Oktober 1017; † 5. Oktober 1056 in Bodfeld, Harz) aus der Zeit um 1046 wohl eine Fälschung, es existiert jedoch ein mittelalterliches Siegel des Stiftes, das einen Gründer namens Odoaker beschreibt. Für das 10. Jahrhundert sind mehrer Grafen aus der näheren Umgebung mit dem Namen Odoaker bekannt, die als Stifter in Frage kommen können. Man kann davon ausgehen , dass die Gemeinschaft von Klerikern, die seit Arnulf her angesiedelt war, bei den Gründungen des 10. und des 12. Jahrhunderts um Wiederbelebt oder ausgeweitet wurde.
Das Stift war Bestandteil des Bistums Metz und war Sitz eines der sechs Archipresbyter des Bistums. Das Stift führte so kirchenrechtliche Aufsicht über eine ganze Reihe selbständiger Pfarreien.Dem Stift unterstanden darüber hinaus unmittelbar die sieben Stiftspfarreien Gersweiler, Saarbrücken und St. Johann, Sulzbach, Fechingen, Güdingen und Bübingen sowie die beiden heute französischen Orte Hesslingen und Thedingen.
Bereits um 1550 zeigten sich die Chorherren des Stiftes der evangelischen Lehre Martin Luthers gegenüber aufgeschlossen. So legte zum Beispiel im Jahr 1554 Dekan Nikolaus Beuck, seit 1551 Stiftsherr in St. Arnual, sein Amt nieder, weil ihm der reformatorische Kurs des Grafen Philipp II. von Nassau-Saarbrücken zu wenig entschieden war.
Beucks Amtsnachfolger Jodocus Bruer bemühte sich ein letztes Mal eine Reform des Stiftes. Er forderte vom Schutzherren des Stiftes, dem Saarbrücker Grafen Johann IV., die Zulassung der Priesterehe und die Austeilung des Abendmahles im reformatorischen Sinn mit Brot und Wein. Johann ging aber auf diese Forderung nicht ein, worauf die Chorherren gegen ihn einen Prozess vor dem Reichskammergericht anstrengten. Sie beriefen sich in ihrer Begründung darauf, dass St. Arnual schon immer reichsunmittelbares Stift gewesen sei und so nach den Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens von 1555 selbst seine Konfession festlegen könne. Für Johann IV. bedeutete das den Kontrollverlust über die ausgedehnten Ländereien des Stifts im Falle eines Sieges der Stiftsherren. Um dem zuvor zu kommen, kerkerte er den Dekan ein, bis dieser die Klage zurückzog und sein Amt niederlegte. Darüber hinaus verhinderte Johann IV. die Wahl eines Nachfolgers für Bruer und annektierte 1569 das Stiftsvermögen, die Kirche sowie den Land- und Waldbesitz, die er in eine eigene Stiftung überführte. Da Johann IV. als letzter katholische Graf von Saarbrücken 1574 ohne erbberechtigten Nachkommen starb, fiel die Grafschaft Saarbrücken an seine evangelischen Vettern aus der Linie Nassau-Weilburg, die 1575 endgültig die Reformation einführten. Das evangelische Stift St. Arnual besteht danach bis heute und aus dem Vermögen des Stiftes, das im Wesentlichen schulischen und kirchlich-sozialen Zwecken zu Gute kam, entstand zum Beispiel 1604 das Ludwigsgymnasium in Saarbrücken, das älteste Gymnasium des Saarlandes.
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